Was bisher geschah

Nach vier Generationen in Heilberufen war mir meine Berufung quasi in die Wiege gelegt worden. Natürlich musste ich Krankenschwester werden. Danach bildete ich mich weiter zur Dialyse-Assistentin sowie zur Intensiv- und Anästhesie-Fachschwester. Für mich stand es immer im Vordergrund, das Leid der Menschen zu verstehen, in seinen unterschiedlichen Ausdrucksformen wahrzunehmen und zu lindern. Wie gut ich es eines Tages nachvollziehen kann, war mir damals noch nicht bewusst. 

 

Auch nach Jahren auf der beruflichen Überholspur holte, wollte ich keine Anzeichen zulassen, die daraufhin deuteten, dass dieser Lebensstil meine Ressourcen angreifen oder sogar verbrauchen könnte. 

 

Erst als meine Schwangerschaft die ersten gesundheitlichen Veränderungen mit sich brachte, verstand ich, wie es sich anfühlt, wenn das Leben einen ausbremst. Nach einer weiteren niederschmetternden Diagnose konnte ich mein Leben lange nicht mehr so gestalten, wie ich es mir vorgestellt hatte. Unbarmherzig forderten die Symptome der Krankheit Raum und Aufmerksamkeit. Meine gewohnten Kompensations- und Bewältigungsstrategien versagten. Ich wusste nicht, wie ich etwas oder was ich tun sollte. Depressionen, Angst- und Panikzustände waren lange Zeit mein Begleiter. 

 

Heute weiß ich, dass jede Entscheidung damals ihren Grund hatte. Und auch wenn ich rückblickend einiges anders machen würde, macht meine Geschichte den Menschen aus, der ich heute bin. Ich kenne tatsächlich beide Seiten der Medaille – als Pflegekraft und als Patientin. Schwere Erkrankungen konnte ich hinter mich bringen und mein Leben neu sortieren. Dieses Wissen weiterzugeben und die Motivation, Betroffenen aus schwierigen Situationen heraus zu begleiten ist meine Berufung. 

 

Mein Leben ist jetzt anders. Ich bin besonnener, dankbarer, beherzter – glücklich.